12. Kreisjugendzeltlager des Landkreises Greiz in Pölzig

262 Kinder, 13 Jugendfeuerwehren, ein Wochenende in Pölzig. Zehn Euro zahlt jeder Teilnehmer, all inclusive. Warum das reicht – und was die Kinder zwischen Saugschlauch und Funkgerät lernen.

 

Am Teich in Pölzig zählt an diesem Samstagvormittag, 19. September, jede Sekunde. Ein halbes Dutzend Kinder in blauen Jacken schleppt Saugschläuche über die Wiese, kuppelt sie aneinander, dann kommen die Leinen dran. „Nächster Schlauch! Weiter, weiter, komm, ihr seid stark!“, feuert ein Betreuer an. Was hier auf Zeit geübt wird, heißt im Feuerwehrdeutsch Saugleitung kuppeln – die Technik, mit der Löschwasser aus einem Teich in die Pumpe kommt. Trocken geht das heute, ohne Wasser, „nur für die Kinder“. Die Sicherungsleine muss trotzdem sitzen: bei fließendem Gewässer vor und hinter jede Kupplung, damit die Leitung nicht im Wasser verschwindet, wenn eine Verbindung nachgibt.

 

Station 8 von zehn beim Zeltlager der Kreisjugendfeuerwehr Greiz, und es ist eines mit Vorgeschichte: Eigentlich sollte es Ende Juni stattfinden, nun ist es der Ersatztermin vom 18. bis 20. September geworden. 262 Teilnehmer sind gekommen, 13 Jugendfeuerwehren aus dem Landkreis. „Erst waren es 16, drei haben zum Ersatztermin abgesagt“, sagt Kassenwart Steve Vavrik.

 

Stationslauf fordert die Jugendfeuerwehren mit vielseitigen Aufgaben

 

Der Ort im äußersten Nordosten des Kreises ist rund 50 Kilometer vom Vereinssitz in Zeulenroda-Triebes entfernt. Warum Pölzig? Die Antwort ist unspektakulär und typisch ehrenamtlich: Die Jugendfeuerwehren stellen sich bei den Sitzungen selbst vor, dann werde abgefragt, wer mag – „und dann hat sich das so ergeben“.

 

Herzstück ist der Stationslauf an diesem Samstag, von 9 bis 15 Uhr. Jede Jugendfeuerwehr läuft die Runde ab, überall gibt es Punkte, die am Ende zusammengezählt werden. Die Palette reicht vom Fußballdart auf dem Sportplatz über Knoten in Hirschfeld, Feuerwehr-Memory und einen Hindernisparcours in Beiersdorf bis zum Schraubensortieren im Gewerbegebiet – Muttern auf zehn Schrauben, ein Punkt pro Schraube. Am Schloss wird mit Pfeil und Bogen geschossen, am Waldrand neben einer Pferdekoppel mit dem Funkgerät gearbeitet.

 

Dort lernen die Mädchen und Jungen zum Beispiel, wie ein Funkspruch aufgebaut ist. „Erst drücken, dann denken“, sagt ein Ausbilder und grinst: Früher habe es umgekehrt geheißen. Ein 14-Jähriger zählt fehlerfrei die komplette Löschgruppe durch – Melder, Maschinist, Gruppenführer, Wasser-, Angriffs- und Schlauchtrupp, jeweils Mann und Führer. Neun Leute. „Das Wichtigste ist die Kommunikation, und das hast du echt gut gemacht“, lobt ein Betreuer. Die 14-Jährigen sind hier die Ältesten.

 

An der Sanitätsstation der Feuerwehr Bad Köstritz geht es ernster zu. Eine Hälfte der Gruppe beantwortet Fragen – stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit, Druckverband bei stark blutenden Wunden, Notruf 112. Die andere Hälfte findet eine bewusstlose Person und muss reagieren. Den Takt für die Herzdruckmassage summen sich viele mit dem Bee Gees-Song „Stayin’ Alive“ zurecht. „Reanimation ist Teamsport, da kann keiner allein arbeiten“, erklärt der Ausbilder. „Wer wirklich drückt, ist nach zwei Minuten kaputt.“ Zum Nachmittag geht es ins Waldbad Kayna, abends sind Disco und Spiele dran.

 

Gewonnen hat den Stationslauf die Jugendfeuerwehr Arnsgrün. Mit 99 Punkten lag sie am Ende deutlich vor Zeulenroda (87) und Bernsgrün (86). Vierter wurde Ronneburg mit 82 Punkten. Dahinter ging es eng zu: Pöllwitz und Münchenbernsdorf landeten mit je 79,5 Punkten gleichauf, Langenwetzendorf folgte mit 78,5. Die Urkunden zum 12. Kreiszeltlager des Landkreises Greiz, unterschrieben von Kreisjugendfeuerwehrwart Christian Komorowski, gab es am Sonntagvormittag, 20. September. Die Gastgeber aus Pölzig, die an diesem Wochenende vor allem mit dem Betreuen der eigenen Stationen beschäftigt waren, nahmen den letzten Rang sportlich.

 

Ergebnisse des Stationslaufes des Kreisjugendfeuerwehr-Zeltlagers 2026

Stationslauf beim 12. Kreiszeltlager in Pölzig

JFW Arnsgrün – 99 Punkte
JFW Zeulenroda – 87
JFW Bernsgrün – 86
JFW Ronneburg – 82
JFW Pöllwitz und JFW Münchenbernsdorf – je 79,5
JFW Langenwetzendorf – 78,5
JFW Auma-Weidatal – 76,5
JFW Wildetaube – 71
JFW Seelingstädt – 70
JFW Brahmenau – 68,5
JFW Triebes – 61
JFW Wünschendorf/Elster – 58
JFW Pölzig – 50,5

 

Finanziert über viele kleine Töpfe

 Spendenübergabe 

Symbolische Übergabe am Rande des Zeltlagers: Kassenwart Steve Vavrik (2. v. l.) nimmt die Urkunde der SV SparkassenVersicherung entgegen – 200 Euro für das Kreiszeltlager und 100 Euro zum zehnjährigen Bestehen der Kreisjugendfeuerwehr Greiz. Rechts Vereinsvorsitzender Christian Komorowski, daneben Landrat Ulli Schäfer, ganz links Kreisbrandinspektor Sascha Rudolf.© Funke Medien Thueringen | Annett Hänel

 

Zehn Euro zahlt ein Teilnehmer für das Wochenende, all inclusive. Dass das reicht, liegt an einer Kette von Spendern, die der Kassenwart aufzählt: 3500 Euro von der Sparkasse Gera-Greiz, 3000 Euro von der Dr.-Irmgard-Fischer-Stiftung, 2500 Euro von der Kinderträume-Stiftung Essen – auf die habe das eigene Steuerbüro ETL hingewiesen. Dazu Geld aus der Thüringer Ehrenamtsstiftung und ein 300-Euro-Zuschuss der Sparkassen-Versicherung. Die Medaillen für die Sieger, gut 430 Euro, übernahm das Landratsamt, die Pokale kommen aus der Feuerwehrfamilie.

 

„Wir haben wirklich überall angezapft, was wir anzapfen können“, sagt Vavrik. Und: „Wenn wir jetzt nicht in die Feuerwehren investieren, haben wir in ein paar Jahren ein Problem in der Einsatzabteilung“, ist Landrat Ulli Schäfer überzeugt. Der Kreis-Chef hat die Runde am Samstag mit abgefahren. Der Landkreis wolle verlässlicher Ansprechpartner der Wehren werden, sagt Kreisbrandinspektor Sascha Rudolf: mehr Lehrgänge in der Kreisausbildung, Ausbildungsmaterial für die Brandschutzerziehung, Technik, die sich eine einzelne Wehr nicht kaufen würde und die auch für örtliche Übungen bereitsteht. Hauptamtliche Kräfte gebe es im Ehrenamt schließlich nicht, und jünger werde niemand.

 

Die Kreisjugendfeuerwehr Greiz hat sich einst als erste ihrer Art in Thüringen als eigener Verein gegründet – vorher lief alles über den Kreisfeuerwehrverband und das Landratsamt, ein Zeltlager war so kaum zu stemmen. Vorsitzender ist seit der Gründung Christian Komorowski.

 

Von Annett Hänel/OTZ

20.09.2026, 17:00 Uhr

Fotoserien

Bilder vom 12. Kreisjugendzeltlager in Pölzig (MI, 23. September 2026)

Hier gehts zur Bilderserie vom diesjährigen Kreisjugendzeltlager aller Jugendfeuerwehren des Landkreises Greiz

Urheberrecht: